Netzhaut- und Glaskörperchirurgie
(Chirurgie der hinteren Augenabschnitte)

Die Netzhaut kleidet das Auge von innen her aus und leitet das ins Auge einfallende Licht in Form von elektrischen Nervenimpulsen an das Gehirn weiter. Wenn die Netzhaut erkrankt, funktioniert die Reizweiterleitung nicht mehr richtig, so dass auch eine neue Brille unter Umständen nicht mehr helfen kann. Erkrankungen der Netzhaut können sowohl die gesamte Netzhaut als auch nur einzelne Bereiche, wie die Stelle des schärfsten Sehens (die Macula), betreffen.

Der Glaskörper ist eine gallertartige Substanz, die zum Größten Teil aus Wasser sowie in geringerem Maße aus Eiweißbestandteilen und Kollagenfasern besteht und das Auge ausfüllt. Harmlose, aber subjektiv störende Trübungen des Glaskörpers, oft als „Mouches Volantes“ (franz. fliegende Mücken) bezeichnet, können mit zunehmendem Alter durch eine Schrumpfung des Glaskörpers entstehen.


Diagnostische Hilfsmittel


Optische Kohärenztomographie (OCT):
Diese Untersuchung erstellt Querschnittsbilder der Netzhaut und ermöglicht eine hochauflösende Darstellung der unterschiedlichen Netzhautschichten, sowie eine Messung der Netzhautdicke. Von besonderer Bedeutung ist diese Untersuchung in der Verlaufskontrolle bei der Behandlung von Makulaödemen, Maculaforamina oder einer epiretinalen Membran.


Fluorenszenz-Angiographie:
Bei dieser Untersuchung wird ein spezieller Farbstoff (Fluoreszein) intravenös appliziert und anschließend Fotografien vom Augenhintergrund gemacht. Diese Untersuchung ist unter anderem bei Patienten mit altersbedingter Makuladegeneration, bei diabetischer Retinopathie sowie nach venösen Gefäßverschlüssen wichtig.


Fundusphotographie:
Zur Dokumentation von Veränderungen am Augenhintergrund (z.B. Muttermale der Aderhaut)


Ultraschall:
Zur genauen Vermessung von Veränderungen am Augenhintergrund und zur Darstellung der Netzhaut, wenn kein Einblick in das Auge mehr möglich ist, wie zum Beispiel bei Glaskörperblutungen.


Bitte kommen Sie zu Untersuchungen der Netzhaut ohne Auto, da in den meisten Fällen eine Weitstellung der Pupillen notwendig ist!
 

Operative und therapeutische Möglichkeiten


Wir führen sämtliche netzhaut- und glaskörperchirurgische Verfahren, insbesondere sämtliche Vitrektomie-Verfahren in unserer Klinik durch. Wir behandeln:

 

Netzhautablösungen:
Bei der Netzhautabhebung kommt es meist aufgrund eines unbehandelten Einrisses oder Netzhautloches zu einer Abhebung der Netzhaut von der Aderhaut. Dies führt unbehandelt zu Sehausfällen bis hin zum Erblinden. Über eine 23Gauge Pars plana Vitrektomie inkl. Gas- oder Silikonöltamponade mit Laserbehandlungen von innen und ggf. Kältebehandlung von außen (Kryopexie) kann die Netzhaut wiederangelegt werden.

 

Epiretinaler Membranen (Gliose, Pucker, Zellophanmaculo-pathie):
Aus unterschiedlichen Gründen kann sich bei manchen Menschen ein Häutchen bzw. eine Membran auf der Macula bilden, die sich mit zunehmendem Krankheitsverlauf fältelt und Zug auf die Macula ausbildet, so dass im Verlauf eine Maculaschwellung entsteht und das Sehen immer stärker verzerrt wird. Diese Membran kann mittels 23Gauge oder 25Gauge Vitrektomie und sehr feinen Instrumenten entfernt werden (Peeling). Das Auge wird während der Operation meist mit Gas aufgefüllt, der als „Verband“ von innen fungiert und bei der Entquellung der Macula hilft.

 

Maculaforamen (Lochbildung innerhalb der Macula)
oder Vitreomaculäre Traktion (VMT):

Bei einer unvollständigen Glaskörperabhebung kann durch das Anheftenbleiben des Glaskörpers an der Macula eine starke Traktion (Zug) auf der Macula entstehen. Diese kann zu einer Seheinschränkung und im Verlauf zu einer Ausbildung eines Maculaloches (Schichtforamen vs. durchgreifendes Foramen) führen. Ein durchgreifendes Maculaforamen muss mittels 23Gauge oder 25Gauge Vitrektomie verschlossen werden, hierbei wird ein dünnes Häutchen von der Macula abpräpariert und über das Foramen gelegt (inverted ILM-Flap-Technik). Ein Schichtforamen wird in den meisten Fällen nur beobachtet und muss nicht operiert werden. Bei einem Vitreomaculären Traktionssyndrom wird man zusammen mit Ihnen individuell entscheiden, ob eine Operation bereits notwendig ist oder noch abgewartet werden kann.

 

Glaskörperblutungen:
Gerade bei Erkrankungen wie Diabetes kann es mit zunehmender Erkrankungsdauer zu Netzhautveränderungen und krankhaften Gefäßneubildungen kommen (proliferative diabetische Retinopathie). Hierbei kann es zu immer wiederkehrenden Blutungen in den Glaskörperraum aus den porösen neugebildeten Gefäßen kommen. Aber auch Einrisse der Netzhaut oder auch manchmal zunächst unbekannte Ursachen können eine Glaskörperblutung verursachen. Sollte sich die Blutung nicht von selbst zurückbilden oder die Ursache nicht klar sein, muss die Blutung mittels Vitrektomie entfernt und die Ursache z.B mittels Laserung der betroffenen Netzhaut versorgt werden.

 

Maculaödem bei altersbedingter Makuladegeneration (AMD),
diabetischer Retinopathie, Venenverschluss oder hoher Myopie:

Ein Maculaödem kann aufgrund verschiedenster Ursachen auftreten. Es führt zu Verzerrtsehen und insgesamt zu einer fortschreitenden Sehverschlechterung. Zur Behandlung stehen intravitreale Injektionen, also Injektionen in den Glaskörperraum, mittels VEGF Inhibitoren (Ranibizumab (Lucentis ®), Aflibercept (Eylea ®), Bevacizumab (Avastin ®),) und Corticosteroiden (Ozurdex ®, Iluvien ®) zur Verfügung. Mittels dieser Injektionen kann die Netzhaut entquellt und die krankhaften Gefäße abgedichtet werden, so dass die Sehleistung verbessert oder zumindest stabilisiert werden kann.

 

Netzhautlöcher oder -degeneration:
Durch eine stark anheftende Glaskörpergrenzmembran können bei einer anomal verlaufenden Glaskörperabhebung Löcher in die Netzhaut gerissen werden. Unbehandelt können diese zu einer Netzhautablösung führen. Durch eine bestehende Kurzsichtigkeit ist die Netzhaut zusätzlich oft gerade in den äußeren Bereichen der Netzhaut verdünnt und neigt zu degenerativen Veränderungen und Lochbildung. Eine Laserbehandlung mittels Argonlaser ist dann die Therapie der Wahl, damit das Netzhautloch nicht weiter ausreißen kann.

 

Proliferative diabetische Retinopathie oder Gefäßverschlüsse:
Mit zunehmender Erkankungsdauer treten bei Diabetikern Netzhautveränderungen auf. Bei einer proliferativen diabetischen Retinopathie muss daher die Netzhaut gelasert werden, um das Voranschreiten der krankhaften neuen Gefäße zu verhindern, da diese Gefäße sonst in den Glaskörperraum einwachsen und so zu Glaskörperblutungen oder schlimmstenfalls zu einer traktiven Netzhautablösung führen können.

 

Man unterscheidet arterielle von venösen Verschlüssen. Venöse Verschlüsse haben insgesamt eine bessere Prognose für die Sehleistung, oft ist aber aufgrund einer Sauerstoffunterversorgung (Ischämie) der Netzhaut eine Behandlung mittels Argonlaser notwendig.