Hornhauterkrankungen und Hornhauttransplantation (Perforierende Keratoplastik, lamelläre Keratoplastik)

Die Hornhaut (Kornea) bildet die vordere, äußere Begrenzung des Augapfels und fungiert aufgrund ihrer Transparenz als "Fenster" und Brechungsmedium für das in das Auge einfallende Licht.
Trübungen,  Verformungen oder Narbenbildung nach schweren Entzündungen der Hornhaut kommen bei einer Vielzahl von Erkrankungen vor. Die Wiederherstellung des Sehvermögens oder auch der Erhalt des Auges der betroffenen Patienten ist in diesen Fällen häufig nur durch Ersatz des veränderten Hornhautgewebes mittels einer Spenderhornhaut möglich.
Hornhautschäden sind die zweithäufigste Erblindungsursache weltweit. Hornhauttransplantationen werden seit mehr als 100 Jahren durchgeführt. Damit sind sie die älteste und erfolgreichste Gewebetransplantation weltweit. Bisher wurde dabei der zentrale Teil der natürlichen Hornhaut komplett ausgetauscht und eine neue Spenderhornhaut eingesetzt und vernäht.

 

Für welche Patienten ist eine Hornhauttransplantation sinnvoll?
Bei schweren Verletzungen der Hornhaut kommt es häufig zu einer irreversiblen Narbenbildung, die das Sehen stark beeinträchtigt. Hier kann eine Hornhauttransplantation helfen. Ferner gehören Patienten dazu, deren Hornhaut von einer Entzündung betroffen war, die Narben hinterließ. Dies kommt zum Beispiel häufiger nach einer Herpesinfektion des Auges vor. Aber auch altersbedingt oder nach operativen Eingriffen kann es zu Hornhautveränderungen  kommen, die eine Transplantation notwendig machen. Außerdem gibt es auch angeborene Hornhauterkrankungen, die die Sehkraft erheblich einschränken.

 

Wie hoch sind die Risiken einer Hornhauttransplantation?
Die Erfolgsrate (5-Jahres Überlebensrate) bei Hornhauttransplantationen ist im Normalfall (wenn keine schweren Entzündungen oder Gefäßeinsprossungen bestehen) sehr hoch. Sie liegt bei etwa 90%.
Anders sieht es aus, wenn aufgrund einer Erkrankung Blutgefässe in die Hornhaut eingewachsen sind (Vaskularisation). In solchen Fällen müssen die Spenderhornhäute sorgfältig analysiert und so ausgesucht werden, damit sie in möglichst vielen Eigenschaften mit dem körpereigenen Gewebe des Empfängers übereinstimmen. Die Gefahr einer Abstoßung wird auf diese Weise zumindest reduziert, liegt aber trotzdem bei etwa 40-60%.

 

Wer kann eine Hornhaut spenden?
Jeder Mensch, der nicht selbst an einer Hornhauterkrankung leidet, kann über einen Eintrag in einen Organspendeausweis oder eine Mitteilung an seine Angehörigen die Spende seiner Hornhaut festlegen. Weitgehend unbekannt ist dabei, dass Hornhäute ohne Altersbegrenzung gespendet werden können, also auch ältere Menschen noch zu potentiellen Organspendern zählen. 
Bei Hornhäuten besteht zusätzlich der Vorteil, dass sie noch bis zu 72 Stunden nach dem Tod entnommen werden können. Die entnommene Hornhaut wird dann in einem sog. Kulturmedium bei 32°C in einer Hornhautbank im Brutschrank gelagert und kann dort bis zu 4 Wochen aufbewahrt werden. Wir arbeiten mit der von Prof. Rieck aufgebauten Hornhautbank Berlin zusammen, die Bestandteil der Gewebebank der Charité ist und sich inzwischen zur größten Hornhautbank Deutschlands entwickelt hat. Damit ist die Verfügbarkeit und Qualität der Transplantate in unserer Klinik auch für die ständig wachsende Zahl von Patienten gesichert.

 

Große Fortschritte bei der Hornhaut-Transplantation

 

Neue OP-Techniken erhöhen die Erfolgsrate und bringen die Sehkraft schneller zurück
Bisher wurde hauptsächlich der zentrale Teil einer kompletten Hornhaut verpflanzt. Allerdings erreichten die Patienten häufig nur durch das Tragen von harten Kontaktlinsen eine ausreichende Sehschärfe und es kam häufiger zu Komplikationen. Diese Technik ist heute nur noch nötig, wenn die gesamte oder ein Großteil der Hornhaut geschädigt oder erkrankt ist.
 

Neue Transplantationstechniken haben die Hornhaut-Verpflanzung in den letzten Jahren entscheidend verbessert. So ist es heute möglich, anstelle der gesamten Hornhaut nur noch einzelne, betroffene, hauchdünne Schichten zu transplantieren. Die Patienten sehen anschließend deutlich schärfer, sind wesentlich schneller wieder gesund und etwaige Abstoßreaktionen sinken auf ein nie zuvor erreichtes, seltenes Minimum.

 

Großen Anteil daran hat die neue DMEK-Technik, die in unserer Augenklinik fast täglich durchgeführt wird, Bei diesem hochmodernen Verfahren wird das hauchfeine Transplantat berührungsfrei und nur mit Hilfe eines kleinen Luftkissens auf der Innenseite der Empfänger-Hornhaut eingesetzt.

Inzwischen wird an unserer Klinik fast jeder zweite Patient, der eine neue Augenhornhaut benötigt, nach der neuen Methode operiert. Die meisten von ihnen leiden an der sog. Fuchs´schen Endotheldystrophie, benannt nach Emil Fuchs, einem Wiener Augenarzt. Bei dieser Krankheit sterben verstärkt die Endothelzellen der innersten Hornhaut-Schicht ab. Hier ist es heute möglich, gezielt diese Schicht durch ein hauchdünnes Transplantat mit gesunden Zellen zu ersetzen.

DMEK steht dabei für „Descemet Membrane Endothelial Keratoplasty“.

Das Transplantat dazu ist gerade mal 20µm und damit nur ein Fünftel so dick wie ein menschliches Haar.
 

Um dieses ultradünne Gewebescheibchen nicht zu beschädigen, injiziert der Augenchirurg das Transplantat berührungsfrei in einer wässrigen Lösung in das Auge und bewegt es mit Hilfe einer kleinen Luftblase an die richtige Stelle, wo es von selbst und ohne Naht einheilt.

Schon nach wenigen Tagen kann der Patient wieder gut sehen. Die Sehschärfe beträgt dann oft schon 50 Prozent und kann langsam auf Werte bis über 80 Prozent ansteigen.

Informationsbroschüre als PDF zum Downloaden