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Neurologie

Erkrankungen | Behandlungsschwerpunkte

Neuromuskuläre Erkrankungen

Bei neuromuskulären Erkrankungen sind Nerven, Muskeln oder die Signalübertragung zwischen Nerv und Muskel gestört. Zum Arzt führen die Patienten vor allem zunehmende Schwäche, schmächtiger werdende Muskeln, evtl. Schluckstörungen, zufallende Augenlider, Doppelbilder oder Sensibilitätsstörungen.

Es gibt drei Gruppen von neuromuskulären Erkrankungen:

  • Erkrankungen der Nerven (Polyneuropathien):
    z.B. durch Entzündungen, durch Medikamente, Vitaminmangel, bei Tumoren oder Vererbung. Erkrankungen speziell der Nervenzellen sind z.B. Polio (Kinderlähmung) und ALS.
  • Erkrankungen der neuromuskulären Übertragung:
    Die wichtigste Erkrankung aus dieser Gruppe ist die Myasthenie.
  • Erkrankungen der Muskeln:
    Vererbbar, durch Entzündungen, Medikamente und viele andere Ursachen.

+ Diagnostik

Die Diagnostik von neuromuskulären Erkrankungen erfolgt in der Regel stationär. Neben der stationären Diagnostik besteht noch die Möglichkeit einer ambulanten Voruntersuchung, je nach Krankenkasse zum Teil mit Überweisung durch einen niedergelassenen Neurologen.

Zunächst sind die ausführliche Erhebung der Anamnese (Vorgeschichte), die Berücksichtigung von Voruntersuchungen und die sorgfältige klinische Untersuchung immer erforderlich. Daneben beruht die Diagnostik von neuromuskulären Erkrankungen vor allem auf der Nervenleitungsmessung, dem EMG, der Funktionsdiagnostik (z.B. Laktat-Ergometer-Test) und der spezialisierten Labordiagnostik.

Bei Verdacht auf eine entzündliche Nervenerkrankung wird eine Lumbalpunktion durchgeführt. Eine der wichtigsten Untersuchungen ist die Biopsie (Gewebeentnahme), die häufig am Muskel durchgeführt wird, seltener an einem Hautnerv. Dies ist allerdings erst nach gründlicher Durchführung der genannten Vordiagnostik sinnvoll. Die Biopsien werden in Zusammenarbeit mit unseren chirurgischen Kollegen durchgeführt und im Institut für Neuropathologie ausgewertet.

Die Durchführung der Untersuchungen erfolgt in wenigen Tagen. Weil aber einige der Proben in spezialisierte Laboratorien verschickt werden und es sich zum Teil um aufwendige diagnostische Maßnahmen handelt, liegen Ergebnisse oft erst nach mehreren Tagen vor.

+ Anamnese

Sie können uns bei der Diagnostik helfen, wenn Sie bei der Erhebung der Vorgeschichte mitwirken und folgende Fragen zur Aufnahme soweit möglich beantworten:

Seit wann bestehen Ihre Beschwerden?

Sind Sie Diabetiker?

Wieviel Alkohol trinken Sie?

Hatten Sie eine Magen-Operation?

Haben Sie eine Störung der Schilddrüse?

Wie sind Appetit, Blasen- und Darmfunktion?

Haben Sie abgenommen? (Seit wann, wieviel?)

Gibt es in der Familie (vor allem Eltern, Geschwister) ähnliche Beschwerden?

Welche Medikamente nehmen Sie ein? (Seit wann?)

Sind folgende Untersuchungen bei Ihnen durchgeführt worden? (Durch wen, wann und mit welchem Ergebnis? Haben Sie schriftliche Befunde?)
- Laboruntersuchungen
- EMG
- Gynäkologische Untersuchung
- Urologische Untersuchung
- Röntgen Thorax
- EKG
- Ultraschalluntersuchung des Bauches

Waren Sie in stationärer Behandlung?

Haben Sie Berichtskopien?

Bitte bringen Sie vorhandene Unterlagen mit. Wenn Ihnen selbst keine schriftlichen Unterlagen vorliegen, kann Ihnen evtl. Ihr behandelnder Arzt Kopien mitgeben!

+ EMG und NLG

EMG ist die Abkürzung für „Elektromyografie“. Dabei handelt es sich um eine elektrophysiologische Untersuchung der Muskeln, bei der eine kleine Messelektrode (das ist eine kleine Nadel) in den Muskel gestochen wird, ähnlich wie bei der Akupunktur. Injiziert („gespritzt“) wird hierbei nichts. Dieser Stich ist etwas unangenehm. Selten kommt es an der Untersuchungsstelle zu einem kleinen Bluterguss, der sich von selbst zurückbildet. Allerdings gibt es Erkrankungen, bei denen ein Bluterguss zum Problem werden kann, z.B. bei Bluterkrankheit oder anderen schweren Gerinnungsstörungen, oder wenn das gerinnungshemmende Medikament Marcumar eingenommen wird. Daher sollte dies vor der Untersuchung unbedingt angegeben werden. Auch gerinnungsbeeinflussende Medikamente wie Aspirin können die Blutungsneigung etwas verstärken, daher empfehlen wir, vor der Untersuchung etwa 3 Tage auf Aspirin zu verzichten. Dies ist allerdings nicht zwingend erforderlich.

 

NLG ist die Abkürzung für „Nervenleitungsgeschwindigkeit“, die mit schwachen elektrischen Stromimpulsen gemessen wird. Hierbei wird an einer ausgewählten Hautstelle ein Impuls verabreicht, der beim Patienten eine kurze Muskelzuckung hervorruft, deren zeitlicher Abstand zum Reiz gemessen wird.

+ Lumbalpunktion

Durch die sog. Lumbalpunktion werden einige Milliliter des Nervenwassers (Liquor) gewonnen. Damit können insbesondere Entzündungen des Nervenwassers und die Reaktion des Körpers auf diese Entzündungen festgestellt werden. Der Arzt führt hierbei eine sehr dünne Nadel im Bereich der mittleren und unteren Lendenwirbelsäule in den Wirbelkanal. In diesem Bereich befindet sich kein Rückenmark mehr (obwohl sich im Volksmund der Ausdruck „Rückenmarkspunktion“ eingebürgert hat). Eine Verletzungsgefahr von Nervengewebe besteht dabei praktisch nicht. In diesem Bereich befinden sich nur noch die Nervenwurzeln, die der Nadelspitze ausweichen. Einige Milliliter Nervenflüssigkeit genügen für die Untersuchung. Durch die heute verwendeten Nadeln (sog. atraumatische Nadeln) treten nach der Untersuchung auch kaum mehr Beschwerden auf. Nach der Untersuchung empfehlen wir eine kurze Bettruhe von 30-60 Minuten. Eine längere Ruhe ist nicht erforderlich, kann aber gern genutzt werden. Wenn allerdings Kopfschmerzen auftreten, ist eine liegende Haltung meist schnell wirksam.

Erste Untersuchungsergebnisse liegen am gleichen Tag vor, einige aber erst nach 4-7 Tagen.

Wichtig für die Untersuchbarkeit des gewonnenen Liquors ist es, dass dieser innerhalb möglichst kurzer Zeit in einem darauf eingerichteten Labor verarbeitet wird, weil sonst die Zellbestandteile zerstört sind. Für den Fall, dass nach der Punktion irgendwelche Beschwerden auftreten ist es gut, in den folgenden Stunden eine fachkundige Hilfe in der Nähe zu haben.

Muskelzentrum Berlin

Unsere Abteilung ist ein Gründungsmitglied des "Muskelzentrums Berlin", das in Zusammenarbeit mehrerer spezialisierter Abteilungen die Versorgung von Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen verbessern soll. Wichtig ist hierbei auch die Zusammenarbeit mit diversen Selbsthilfegruppen, z.B. der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke DGM (www.dgm.org) und der Polio e.V. (www.polio.sh).