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Psychiatrie

Behandlungsschwerpunkte

Belastungsreaktionen und posttraumatische Belastungsstörungen

Schwere Belastungen (Traumata) können zu akuten seelischen Krisen für einige Tage, Wochen oder Monate führen, die als Belastungs- und Anpassungsstörungen bezeichnet werden und sich unter anderem durch Niedergeschlagenheit, Verzweiflung, schweren Grübelzwang, Schlaflosigkeit, häufiges Weinen, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust äußern können. Extremereignisse, wie zum Beispiel Naturkatastrophen, Gewaltverbrechen oder Vergewaltigungen, der Verlust eines Kindes oder Unfälle können aber auch lang anhaltende quälende Symptome hervorrufen. Diese als posttraumatische Belastungsstörungen bezeichneten Folgen äußern sich in ständig wiederkehrenden Erinnerungen an das traumatische Erlebnis, schweren Albträumen, allgemein erhöhter Schreckhaftigkeit oder einem anhaltenden Gefühl emotionaler Betäubung und Abstumpfung sowie dem zwanghaften Vermeiden aller Dinge, die an das belastende Ereignis erinnern könnten.

 

Behandlungskonzept

 

1. Entlastungs- und Planungsphase

Im stationären Setting soll zunächst eine Entlastung von den Sorgen und Verpflichtungen des Alltags erfolgen. Wir wollen den Patienten und sein Trauma kennen lernen und für ihn einen sicheren Ort schaffen, wo er mit seinen Schwierigkeiten akzeptiert wird. Im Gespräch mit dem Therapeuten wird der biographische Stellenwert der traumatischen Erfahrung erarbeitet. Die Therapieziele werden gemeinsam formuliert. Falls erforderlich, wird eine medikamentöse Behandlung begonnen.

 

2. Stabilisierung und Ressourcenaktivierung

Ziel ist es, dem Patienten zu einem innerlich stabilen Zustand zu verhelfen. Er lernt, seine Symptome besser zu kontrollieren. Hierzu dienen Entspannungstechniken, verhaltenstherapeutisch übende oder kognitive Verfahren. Besonders wichtig ist es, den Zugang zu den eigenen Fähigkeiten und Handlungsmöglichkeiten wieder zu eröffnen. Dies geschieht durch den gezielten Einsatz von Kreativtherapien (Musik-, Kunst-, Tanz- und Bewegungstherapie) und im therapeutischen Gespräch.

 

3. Exposition und Reattribution

Für bestimmte Patienten hat es sich als hilfreich erwiesen, sich in therapeutisch geschützter Umgebung intensiv mit ihrer traumatischen Erfahrung auseinander zu setzen. Dies geschieht mittels erprobter therapeutischer Techniken. Voraussetzung für diesen - vorübergehend belastenden - Therapieschritt ist, dass der Patient gelernt hat, mit seinen bisherigen Symptomen konstruktiv umzugehen. Ziel einer solchen Expositionsbehandlung ist es, korrigierende emotionale Erfahrungen anzustoßen. Dies kann zu einer deutlichen Verbesserung des Befindens führen und zur positiven Veränderung im Selbsterleben.

 

4. Loslösung und Ausblick

Die Abschlussphase der Therapie dient dazu, das Erreichte in den Lebenskontext außerhalb der Klinik zu integrieren. Im therapeutischen Gespräch wird reflektiert, welche Veränderungen in der Sicht auf die traumatische Erfahrung eingetreten sind. Die ambulante Nachbehandlung wird geplant. Belastungserprobungen außerhalb der Klinik nehmen einen hohen Stellenwert ein. Hilfen bei der Planung konkreter Zukunftsschritte werden angeboten.