Psychiatrie

Baclofen - die Wunderpille gegen Alkoholsucht? Prof. Dr. Bschor äußert sich skeptisch in "Die Welt"

Bei einer herkömmlichen Suchttherapie greift jeder zweite Alkoholkranke nach einem Jahr wieder zur Flasche. Ein neues Medikament, bekannt geworden durch einen französischen Herzspezialisten, der in einem Buch über seine erfolgreiche Therapie schrieb, soll nun Abhilfe schaffen. Durch Baclofen sollen die Suchtkranken dauerhaft abstinent bleiben. In Frankreich ist das Medikament bereits zugelassen, hierzulande testeten es Forscher der Charité und zeigten sich über die positiven Ergebnisse überrascht. Prof. Dr. Bschor, Chefarzt der Psychiatrie und Suchtexperte, kann diese Begeisterung jedoch nicht teilen. Er befürchtet, die Einnahme der Tabletten ersetze für viele nur den Alkohol und dass es Therapeuten und Süchtigen mit dem Mittel zu einfach gemacht werde. Seine Sucht durch eine andere zu ersetzen, sei nicht das Ziel eines Entzuges. Außerdem kritisiert Bschor, dass von einigen Anhängern Baclofens propagiert würde, der maßvolle Genuss von Alkohol sei weiterhin möglich.